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Bedingungsloses Grundeinkommen

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[Entwurf  16.08.2010]

Hört und schaut man sich da um, wo sich selten ein Politiker blicken läßt, wird man feststellen, dass sich viele Menschen einfach nur so durchs Leben hangeln und eigentlich kaum eine Chance haben, sich etwas aufzubauen. Die Kräfte werden in Billigjobs verschlissen, befristete Arbeitsverträge verhindern jegliche Planung, das Hartz-IV-System dient nur der Verfestigung der prekären Lebenslage.

In den letzten Jahren wurden Millionen von Steuergeldern dafür ausgegeben, Niedriglöhne auf ein Niveau aufzustocken, dessen Höhe eigentlich nicht existenzsichernd ist. Diejenigen, die sich in diesen Niedriglohnjobs abrackern, wird dann vorgeworfen, dass sie ja eh nicht gut ausgebildet sind und sie doch froh sein sollten, überhaupt beschäftigt zu werden.

Ich frage mich, woher kommt nur die Verachtung und die geringwertige Einschätzung vieler Tätigkeiten, auf die wir alle im Grunde genommen angewiesen sind. Jeder von uns muss einkaufen, jeder von uns freut sich, wenn wir an der Kasse freundlich und flott abgefertigt werden - ist das nun ein Grund, die Kassiererin schlecht zu bezahlen, nur weil sich diese Arbeit relativ leicht lernen läßt, aber umso schwerer durchzuhalten ist? Warum sehen weite Kreise von Unternehmern geringschätzig auf so viele Dienstleister wie Reinigungskräfte, Boten, Montierer, Pflegekräfte, Wachpersonal, Telefonistinnen, Frisöre und all die anderen Personen in Dienstleistungsberufen herab? Ohne all diese Leute sähe unsere Welt so richtig vermüllt und verwahrlost aus. Warum also in all diesen Sektoren so niedrige Löhne?

Trägt man sich mit dem Gedanken, ein Unternehmen zu gründen, wird man dazu angehalten, einen Geschäftsplan zu erstellen, Man muss sich Gedanken machen, welche Dienstleistung oder Ware wird nachgefragt und so gut bezahlt, dass der Unternehmer davon seinen Lebensunterhalt, seinen Betrieb und seine Absicherung bestreiten kann. Etwas zu machen, das nichts einbringt, ist tabu - wenn der Unternehmer es richtig macht.

Wieso werden also so viele Unternehmen staatlich subventioniert, die nicht einmal existenzsichernde Löhne für ihre Mitarbeiter erwirtschaften? Betriebswirtschaftlich sollten diese Unternehmen schließen oder sich auf Geschäftsfelder beschränken, die Gewinn abwerfen. Das wäre nur konsequent.

Die Antwort bleiben diejenigen schuldig, die sich in den Politshows die Klinke in die Hand geben und sich stolz an die Brust werfen, was sie doch für tolle Unternehmer sind und wie wichtig es ist, Menschen zu beschäftigen.

Ja, ich denke auch, dass Menschen Aufgaben brauchen und die meisten auch mühelos Aufgaben finden würden, gäbe man ihnen die freie Wahl. Leider wird diese Fähigkeit den Menschen immer abgesprochen. Ich frage mich, was für ein Menschenbild da dahinter steckt. Man braucht nur in die Berichte zur Sozialpolitik hineinsehen und findet ein Menschenbild, das negativer nicht sein könnte. Ich für mich denke dann immer, dass wir dem Menschenbild des Mittelalters doch sehr nahe sind und vergessen, dass wir eigentlich im 21. Jahrhundert leben und uns Technik und Maschinen das Leben enorm erleichtern könnten. Letztendlich könnten wir uns den Traum vom Wohlstand für alle verwirklichen, aber wir tun es nicht.

Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte ein Weg sein, jedem die Möglichkeit geben, sich ein Leben und eine Zukunft nach seiner Vorstellung aufzubauen.

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist Betrag, der jedem Bürger ohne konkrete Gegenleistung zusteht und an ihn ausbezahlt wird. Ich weiß, jetzt empört sich ganz reflexhaft sofort der Gedanke, dass das ja eine Leistung fürs Nixtun ist. Automatisch entsteht in vielen Köpfen das Bild eines Menschen, der vergammelt den lieben, langen Tag auf dem Sofa hockt und in die Fernsehröhre starrt, ein alkoholhaltiges Getränk nach dem anderen konsumiert und auch sonst allerlei Tätigkeiten nachgeht, die die Nachbarschaft mißbilligt. Woher kommt denn dieses Menschenbild?

Warum wird nicht das Bild eines Menschen gepflegt, der nun frei entscheiden kann, etwas zu tun, an dem sein Herz hängt. Das könnte ein Hobby sein. Im »schlimmsten« Falle hat unser fiktiver Grundeinkommensbezieher ein Hobby wie Comics oder Eisenbahn sammeln. Das ist doch gut. Das gibt nämlich anderen die Möglichkeit, diesem jemand entsprechende Waren anzubieten. Andere werden sie liefern. Unser Sammler wird auf Messen fahren, vielleicht einem Verein beitreten, vielleicht einen gründen und mit Gleichgesinnten in Kontakt treten. Wer weiß, vielleicht schreibt er über seine Kenntnisse und hilft anderen, diese auszubauen. Und schon bringt der Sammler, der fürs Nixtun bezahlt wird, Nützliches für die Gesellschaft.

Andere Menschen werden andere Entscheidungen treffen. Eltern werden sich intensiver um ihre Kinder kümmern, sich im Kindergarten, in der Schule oder im Verein aktiver engagieren. Wiederum andere werden noch einmal die Schulbank drücken, sich weiter qualtifizieren. Vermutlich werden etliche Menschen einfach weniger arbeiten und dafür andere Dinge tun, die unsere Gesellschaft insgesamt reicher und vielfältiger machen.

Politiker und Wirtschaftsvertreter dagegen malen dann gleich das Bild an die Wand, dass niemand mehr arbeiten ginge. Ich bin sicher, dass es so manches Unternehmen gibt, das keine Mitarbeiter mehr finden wird und darüber nachdenken muss, wie es attraktiver wird. Der Frisörsalon, der Billigdiscounter oder der Wachschutz, der seinen Mitarbeitern gerade mal 3.50 € die Stunde (brutto) bezahlt, wird seinen Laden wohl dicht machen müssen. Macht nichts.

Nichtsdestotrotz haben solche Unternehmer natürlich auch ihr Bedingungsloses Grundeinkommen und haben nun Luft, sich zu überlegen, wie sie ihr Unternehmen auf solide Füsse stellen. Jedenfalls sind sie nicht mehr gezwungen, immer noch weniger zu bezahlen, weil der Wettbewerb oft nur noch über den Preis geht und andere Kriterien wie Qualität, Zuverlässigkeit oder Ausbildungsstand nicht mehr zählen.

Der Staat, die Gemeinschaft aller, braucht solche Unternehmen nicht zu subventionieren. Sie gedeihen entweder oder müssen schließen. Das ist ganz banale Betriebswirtschaft. Seltsam, dass diejenigen, die das Hohe Lied von der Betriebswirtschaft singen gleichzeitig diejenigen sind, die am lautesten Subventionen und Hilfen von der Gemeinschaft einfordern. Kein Unternehmen, das nicht die Hand aufhält, wenn es sich irgendwo ansiedeln will oder auf anderen Wegen Geld aus dem Gemeinschaftstopf fordert.

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eine positive Vision vom Menschen.

In Namibia wurde sie für zwei Jahre getestet. Übrigens mit Erfolg. Doch nun wird das Projekt zu Grabe getragen. Über die Gründe kann trefflich spekuliert werden.

Dem Grundeinkommen wird gerne entgegen gehalten, dass es nicht finanzierbar sei. Warum ist das so undenkbar, dass es sich finanzieren läßt? Deutschland gibt immens viel Geld für Soziales aus. Und noch mehr Geld für den Verwaltungsapparat, was gerne bei den Beispielsrechnungen unter den Tisch fällt und noch mehr Geld für die indirekten Folgen einer mangelhaften Versorgung der Bevölkerung mit ausreichendem Einkommen.

Mehr drüber hören bei YouTube, Redner Sascha Liebermann:

Sascha Liebermann spricht auf der undjetzt?!-Konferenz in Witten vor RückkehrerInnen von entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten über das Bedingungslose Grundeinkommen.

  • Vortrag Teil 1:  "Es gibt niemanden, der gar nichts tut."
  • Vortrag Teil 2:  "Bürgerarbeit - Was er nicht will, kann er auch nicht gut machen."
  • Vortrag Teil 3:  "Hebt die Erwerbsorientierung als höchsten Zweck auf."
  • Vortrag Teil 4:  "Wann wird Hilfe eigentlich entmündigend?"

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